DIE FRAU IN DER GESCHICHTE DER UHRMACHERKUNST

Die Uhrmacherei war schon immer eine Männerdomäne. Einst waren sie der Elite vorbehalten, galten als Statussymbol und wurden mit Bildung und gesellschaftlicher Überlegenheit assoziiert. 

Kein Wunder also, dass Armbanduhren in der Vergangenheit ausschließlich von Männern hergestellt wurden.

Da die Branche von Männern dominiert wurde, trugen nur sehr wenige Frauen die exklusiven wie delikaten Schmuckstücke an ihren zarten Handgelenk. Diejenigen Frauen, die eine solche Armbanduhr trugen, hatten diese zumeist von ihrem Ehemann oder Vater geschenkt bekommen.

In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Frauen trotz der Dominanz der Männer eine wichtige Rolle in der Geschichte der Uhrmacherei gespielt haben. Gleichzeitig zeigen wir auf, wie heutzutage immer mehr Frauen in der Schweiz die Kontrolle über große Uhrmacherunternehmen übernehmen. Schließlich kommen wir auch über sich ändernde Mentalitäten und über die Evolution der Damenarmbanduhr zu sprechen.

Zwei weibliche Armbanduhr-Enthusiasten

In der Geschichte der Uhrmacherei fallen vor allem zwei Damen auf: Marie-Antoinette aus Österreich (die Ehefrau von Louis XVI) und Caroline Murat (die jüngere Schwester von Napoleon und Königin von Neapel).

Die französische Königin Marie-Antoinette pflegte eine wahrhaftige Leidenschaft für Armbanduhren. Sie war immer auf der Suche nach neuartigen Dingen und wurde von den filigranen Arbeiten eines jungen Uhrmachers namens Abraham-Louis Breguet regelrecht verzaubert. Die Königin spielte eine entscheidende Rolle in seiner Karriere, indem sie seine Arbeiten am königlichen Hof und im Kreise internationaler Gäste präsentierte.

Caroline Murat schätzte die Haute Horlogerie schon früh. Ihre Leidenschaft war so sehr ausgeprägt, dass sie allein zwischen 1805 und 1814 ganze 34 Armbanduhren von einem großen Uhrmacher-Atelier kaufte. Ihr wird auch der weltweit erste Kauf einer Armbanduhr im Jahr 1810 nachgesagt. Damals eine absolute Revolution!

Von italienischen Arbeitern und weiblichen Anführern

Bis 1785 war die Uhrmacherei in England und Frankreich für Frauen untersagt. In der Schweiz hingegen konnten sich Frauen bereits in den frühen 1690er-Jahren zu Uhrmachern ausbilden lassen und waren aufgrund ihrer Präzision sehr geschätzt, um all die Schnecken, Schrauben, Zeiger und Scharniere einzusetzen. Im Jahr 1843 wurde in Genf die erste Uhrmacher-Schule für Frauen gegründet. Andere Länder folgten erst viel später im Jahr 1910. Seit 1920 gibt es in der schweizer Uhrenindustrie genauso viele Frauen wie Männer. (Quelle)

Wussten Sie, dass der Ruf der schweizerischen Uhrmacherindustrie vor allem italienischen Arbeiterinnen zu verdanken ist? Ab den späten 1950er-Jahren wurden von großen Uhrmacherunternehmen vermehrt Italienerinnen angestellt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die günstigen, unqualifizierten Arbeitskräfte sorgten mit ihrer Fließbandarbeit für die Modernisierung der Produktionsmethoden, an der schweizerische Arbeitnehmer nicht interessiert waren.

Es war der einzige Weg, wie die regionale Branche im Angesicht immer stärker werdender internationaler Konkurrenz wachsen konnte.

Seitdem waren Frauen in allen Bereichen der Industrie anzufinden, auch wenn sie weiterhin in Führungspositionen unterrepräsentiert blieben. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2018 innerhalb der schweizerischen Uhrmacher- und Mikrotechnik-Industrie, die vom Arbeitgeberverband der schweizerischen Uhrmacherindustrie in Auftrag gegeben wurde, waren 44,2% des Sektors Frauen, wobei jedoch nur 1,2% der Führungspositionen von Frauen besetzt waren. In der gesamten Schweiz sind 6,7% der Führungspositionen von Frauen besetzt, wohingegen es im internationalen Vergleich immerhin 9% sind. Die Uhrmacherindustrie hinkt weit hinterher.

Und dennoch ändert sich die Mentalität und es ist klar, dass Frauen in der Welt der Uhrmacherei langsam aber sicher an Gewichtung gewinnen. Immer mehr Frauen befinden sich in Top-Positionen, was noch vor wenigen Jahren unmöglich gewesen wäre.

Weibliche Erben, Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen der Gründer übernehmen nun große schweizerische Unternehmen. Andere Frauen haben sich ihren Weg gebahnt und haben nun die Chefetage durch harte langjährige Arbeit erreicht. Nicht zuletzt werden immer mehr Marken von Frauen neu gegründet.

Das Vorhandensein von Frauen in großen Uhrmacherunternehmen sowie die vermehrte Zusammenarbeit mit weiblichen Designern (wie Doo.Ri und Piaget im Jahr 2007) haben einen Wandel in der Konzipierung und Gestaltung von Damenarmbanduhren hervorgerufen.

Die Evolution der Mentalität

Eine lange Zeit lang richteten sich Damenarmbanduhren an den Modellen der Herrenarmbanduhren aus. Es handelte sich um simple Kopien mit kleineren Zifferblättern und Armbändern, die mit glitzernden Edelsteinen und Diamanten besetzt wurden.

In ihrem Artikel "Women and watchmaking, a topical question", der am 12. Oktober 2017 im FHH veröffentlicht wurde, beschrieb Roberta Naas: „Komplexe Armbanduhren sind ein neues Interessengebiet für Frauen, die, man hält es kaum für möglich, auch Armbanduhren kaufen." Die Zeit, in der Männer Armbanduhren für ihre Frauen kauften, gehört der Vergangenheit an. Laut der Journalistin haben sich die Modelle der Damenarmbanduhren deswegen stark verändert. Statt langweiliger Imitationen der Herrenarmbanduhren sind es nun völlig separate Konzepte.

Schnee von gestern sind zudem oberflächliche Blumendesigns und Schmetterlinge. Frauen haben ein immer größer werdendes Interesse an der Mechanik und nützlichen Funktionen wie Kalendern, Chronographen oder einer Weckfunktion. Um das Interesse der Käuferinnen zu wecken, müssen Damenarmbanduhren sowohl klassisch und zeitgenössisch, aber zugleich auch funktional und ästhetisch sein.

Fazit

Auch wenn die Uhrmacherei immer eine Männerdomäne war und auch heute noch ist, spielen die Frauen im Hintergrund eine wichtige Rolle als Influencer. Dies wird gerade anhand von Marie Antoinette und Caroline Murat deutlich, die zu den ersten weiblichen Enthusiasten gezählt werden dürfen.

Seit der Eröffnung der Genfer Uhrmacherschule für Frauen im Jahr 1843 gab es einen immer höher werdenden Anteil von Frauen in der Arbeitnehmerschaft. Das Zurückgreifen auf italienische Arbeiterinnen in den 1950er-Jahren war eine logische Entscheidung, die gerade langfristig für immer mehr weibliche Designer und Inhaber von Führungspositionen bei großen schweizerischen Uhrmacher-Ateliers sorgte.

Auch wenn sich die Mentalität ändert und Verbesserungen in Erscheinung treten, verfolgt die Branche weiterhin veraltete Modelle und Ansichten, die nicht mit unserer modernen Gesellschaft in Einklang zu bringen sind.

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